Ein Tierschutz-Notfall

Am 12.07.2017 nahm das Papageienschutz-Centrum Bremen e. V. die Blaustirn-Amazone ‚Chico‘ als Notfall in das Fluggehege auf.

Anfang Juli 2017 war der Eigentümer, der zuvor fast 4 Monate lang im Krankenhaus gelegen hatte, verstorben. ‚Chico‘ musste in dieser langen Zeit allein in der Wohnung in einem kleinen Käfig leben, der nur mit 2 Stangen ausgestattet war. Lediglich Körnerfutter und Wasser wurden von einem Bekannten des Eigentümers einmal täglich erneuert. Nach dem Tod des Eigentümers nahm ein berufstätiger Nachbar ‚Chico‘ für etwa zwei Wochen bei sich auf, wo er wenigstens abends den Käfig verlassen konnte. Der Nachbar brachte ‚Chico‘ in das Fluggehege.

‚Chico‘ war – so die Information des Nachbarn – von seinem Eigentümer, der ihn vor etwa 35 Jahren erworben hatte, in der Wohnung frei gehalten und oft mit menschlicher Nahrung (Wurstbrote, Butterkekse, Käse- u. Marmeladebrote, Limonade) ‚verwöhnt‘ worden. Ob ‚Chico‘ ein Wildfang oder eine Nachzucht ist, ist nicht bekannt.

Als ‚Chico‘ in das Fluggehege kam, war er seelisch und körperlich in einem erbärmlichen Zustand! Er war stumm und total verängstigt. Er wurde im Fluggehege zunächst in einem hellen und geräumigen Notaufnahmeraum untergebracht, wo er sich vor allem fürchtete: vor den frischen Ästen, den Blättern an den Ästen, der Schilfmatte, der UV-Leuchtröhre, dem geöffneten Dach …Er saß in den ersten Tagen zumeist relativ bewegungslos auf einem Ast und wenn er sich bewegte, dann schritt er auf dem Ast immer nur eine kurze Strecke ab, wie er es ganz offensichtlich von seinem früheren Leben im Käfig gewöhnt war. Zum Futtertisch wagte er nicht hinunterzuklettern, so dass die Tierpflegerinnen ihm im Geäst verschiedene Futterplätze bauten, die er dann glücklicherweise neugierig inspizierte und auch annahm.

Die tierärztliche Eingangsuntersuchung ergab, dass er an der Nase eine alte Verletzung hat, die Flügelgelenke und der rechte Fuß weisen arthrotische Veränderungen auf. Der Drüsenmagen enthielt viel Luft. Der Geschlechtstest ergab, dass ‚Chico‘ ein Männchen ist.

Nach etwa 10 Tagen hatte  sich ‚Chico‘ so weit regeneriert und an die neue Umgebung gewöhnt, dass er in einen separaten Teil der Flughalle der Amazona-Papageien umziehen konnte. Sein Ernährungsverhalten normalisierte sich weiter, er nahm viel Obst und Gemüse zu sich, er begann im Lehmboden zu buddeln, und seine Ängste verschwanden zunehmend.

Mittlerweile kann er am Tage und unter Beobachtung den separaten Teil der Flughalle verlassen, seine Artgenossen kennenlernen und sich an sie gewöhnen, die mehr oder weniger interessiert vom ’neuen Mitbewohner‘ der Flughalle Notiz nehmen. ‚Chico‘ kann kurze Strecken fliegen und gut landen, so dass er den Futtertisch fliegend gut erreichen kann, wo er schon gemeinsam mit seinen Artengenossen Nahrung zu sich nimmt . ‚Chicos‘ bisherige Entwicklung gibt Anlass zur Hoffnung, dass er sich gut intergrieren wird.

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